Steinheim „Ab März war jeder Tag für mich gleich“

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Caitlyn Young freut sich, wieder in Steinheim zu sein. Foto: Werner Kuhnle

Steinheim - So wie an diesem sonnigen Tag gemütlich in einem Straßencafé zu sitzen und einen Cappuccino zu genießen – das war für die Steinheimer Autorin Caitlyn Young, so ihr Nom de Plume, lange Zeit nicht möglich. Denn die letzten drei Jahre hat sie mit ihrer Familie in Michigan gelebt und war dort seit dem Frühjahr vom Lockdown betroffen. Anders als das, was man hier fälschlicherweise als Lockdown bezeichnet, war das tatsächlich eine Ausgangssperre. „Raus ging es nur zum Einkaufen, und dann immer nur eine Person pro Haushalt und mit Maske“, berichtet sie. Und so sei ab März jeder Tag für sie gleich gewesen – und immer zu Hause. Alle Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen hätten dichtgemacht, ebenso die Firmen, und Kontakte seien auf ein Mindestmaß beschränkt worden.

Dass das Coronavirus in den USA dennoch so verheerende Folgen hatte und noch hat, kann sie sich nur zum Teil erklären: „Trump hat das lange Zeit heruntergespielt.“ Vielleicht habe es auch zu früh Lockerungen gegeben. Zudem, so ihre Beobachtung, seien die Leute weniger diszipliniert in der Umsetzung der Corona-Regeln als hier. Und das, obwohl viele Amerikaner eine regelrechte Phobie vor Keimen aller Art hätten und schon vor Corona alles Mögliche desinfiziert hätten.

Andererseits hat sie auch die Erfahrung gemacht, dass die Amerikaner zwar schnell für etwas brennen, dass die Flamme aber ebenso schnell wieder erlischt, wie man auch an der „Black lives matter“-Bewegung gesehen habe. Generell habe man nicht so den Drang, etwas zu ändern.

Der Lockdown sei auch für sie nicht leicht zu bewältigen gewesen, erzählt die 45-jährige. „Irgendwann zehrt das schon an einem“, räumt sie ein. Dabei ist sie dank ihres Berufs noch im Vorteil. Denn als Autorin schreibt sie ja zu Hause, und sie schöpft dabei aus ihren vielen Reisen und Auslandsaufenthalten. Speziell die USA boten da eine reiche Inspirationsquelle. „Da ist wirklich alles möglich“, meint sie. Beispielsweise habe es eine Nachbarschafts-App gegeben, über die man sich gegenseitig informiert habe, sei es über entlaufene Tiere, verdächtige Fahrzeuge oder einen nackten Mann, der angeblich im Viertel gesichtet wurde.

Berührt wurde sie von der zum Teil sehr großen Armut, die auch nicht, wie hierzulande, von einem sozialen Netz aufgefangen wird. Auch dass in den USA im Prinzip jeder eine Waffe haben darf, ist ihr einmal drastisch deutlich geworden: Auf dem Hof der Schule, die eine ihrer Söhne besuchte, lagen Patronenhülsen herum. Und mit Befremden stellte sie fest, dass ein und derselbe Sachverhalt von den beiden Haupt-Fernsehsendern, CNN und Fox, ganz unterschiedlich dargestellt wird.

Diese Themen hat sie außer für das eine oder andere Exposé bislang noch nicht schriftstellerisch genutzt. Ohnehin setzt sie das, was sie erlebt, nicht eins zu eins in ihren Romanen und Kurzgeschichten um, sondern nimmt sie eher als Ausgangspunkt und überlegt dann, wie es weitergehen könnte.

Ein Thema, das sie immer wieder gern verarbeitet, ist Liebe zwischen Arm und Reich, Gebildeten und eher Ungebildeten, sodass Konflikte vorprogrammiert sind. Doch ist es ihr auch wichtig, jungen Frauen Mut zu machen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, wie etwa bei ihrem Erstlingswerk „Mauerblümchen küssen besser“. Zurück in Deutschland hofft sie, nun bald die eine oder andere Lesung abhalten zu können, sobald die Corona-Infektionsraten es möglich machen. Vorerst ist sie jedoch noch damit beschäftigt, Umzugskisten auszupacken.

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