Ludwigsburg Golfer profilieren sich als Naturschützer

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Sportler- oder Naturparadies? Der Golfclub Monrepos Foto: Golfclub Schloss Monrepos GmbH

Ludwigsburg - Die Assoziationen, die der Golfsport bei vielen Außenstehenden hervorruft, sind oft vernichtend. Ein Sport für die Bessergestellten der Gesellschaft, meist ältere Herren und Damen, viele der Spieler sind abgehoben, man bleibt unter sich. Wegen der zahlreichen, dicken Nobelkarossen, zumeist spritschluckende SUVs, die auf den Parkplätzen an den Anlagen Land stehen, hat sich das Bild verfestigt, dass Natur- und Umweltschutz den gemeinen Golfspieler wenig bis gar nicht kratzen.

Gegen den Ruf des ballschlagenden Umweltsünders wehren sich Clubs und Verbände seit Längerem. „Golfspieler sind Naturschützer“, sagt Otto Leibfritz, Präsident des baden-württembergischen Golfverbands (BWGV) im Brustton der Überzeugung. In Baden-Württemberg gibt es 88 Golfanlagen mit einer durchschnittlichen Fläche von 69 Hektar. Laut BWGV stehen davon insgesamt 2000 Hektar, also rund ein Drittel, allein der Pflanzen- und Tierwelt zur Verfügung – nur etwa drei Prozent der Flächen werden intensiv gemäht und gedüngt.

Gemeinsam mit dem Umweltministerium und dem Deutschen Golf Verband (DGV) gehen die Golfer nun in die Offensive. Mit dem Projekt „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ sollen noch mehr und bessere Flächen entstehen, auf denen sich die Natur entfalten kann. Und die Möglichkeiten sind vielfältig. In sogenannten Totholzhaufen können Insekten, Amphibien, Reptilien, Spinnen, aber auch Vögel, Fledermäuse, Igel und Haselmäuse überwintern. Von Blumenwiesen profitieren die Bienen besonders, Nistkästen und Sitzstangen kommenden Wildvögeln zugute.

Umweltverbände unterstützen die Vorhaben

Eine wichtige Rolle komme den Greenkeepern zu, in deren Ausbildung Verbände und Clubs investieren wollen, sagt Achim Battermann, stellvertretender DGV-Präsident. Düngemittel zu reduzieren, liege auch im Interesse der Clubs selbst. „So lässt sich einfach Geld sparen“, sagt Battermann, der obendrein auf strenge EU-Richtlinien verweist. Thomas Graner, Vizepräsident des Bundesamts für Naturschutz, sieht eine „natürliche Verbindung“ zwischen dem Rasensport und dem Naturschutz. Untersuchungen zeigten, dass bei konservativen, wohlhabenden Bevölkerungsschichten die Bereitschaft am größten sei, etwas für den Naturschutz zu tun. Was auf Golfplätzen entstehe, seien „nicht nur Peanuts“.

Das sehen auch Umweltverbände so. „Golfplätze sind flächenmäßig ja nicht gerade Briefmarken“, sagt Martin Klatt, Referent für Arten- und Biotopschutz beim Nabu Baden-Württemberg. Gerade in Ballungsgebieten böten Golfplätze Lebensraum für viele Tierarten, die sonst verdrängt würden: „Es können tolle Sachen entstehen, wenn man es will, zulässt und fördert.“ Einige Golfclubs arbeiten bereits mit dem Nabu zusammen und bieten zum Beispiel ornithologische Führungen an. „Das ist ja der Beweis, dass es tatsächlich etwas zu sehen gibt“, sagt Klatt.

Die Anlage am Monrepos ist noch nicht zertifiziert

Diejenigen Clubs, die für Flächen rund um ihre Bahnen schlüssige Konzepte entwickelt haben, können sich das seit 2005 mit dem Zertifikat „Golf und Natur“ des DGV bescheinigen lassen. In Deutschland sind 160 der 700 Anlagen bislang zertifiziert. Thomas Graner wünscht sich möglichst schnell eine Verdoppelung.

Wenn es nach Marc-Frederik Elsäßer, der für die Anlage verantwortlich ist, geht, soll auch der Golfclub Schloss Monrepos bald dazu gehören. Dass links der Autobahn 2008 neun weitere Löcher entstanden sind, wertet Elsäßer schon als Punkt für den Club: „Da war davor nichts.“ Nichts außer landwirtschaftlich genutzte Flächen. In den Streuobstwiesen und unzähligen Sträuchern und Hecken lebten nun Rebhühner, Fasane und Feldhasen.

„Wenn wir weiter in den Naturschutz investieren, wird das den Betrieb insgesamt besser machen“, sagt Elsäßer. Er ist auf der Suche nach einem „zusätzlichen Kümmerer“, der den Naturschutz auf dem Platz weiter vorantreibt. Wenn tatsächlich viele der Golfspieler so ein großes Herz für die Natur haben, dürfte es nicht allzu schwer sein, ihn zu finden.

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